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Mercedes in Düsseldorf

|   Senioren

Besichtigung der Firma Mercedes in Düsseldorf und

einer Stadtrundfahrt durch Düsseldorf

am 13. September 2018

 

Nachdem nun endlich im März die Produktionsanlage für den neuen Sprinter im Werk Düsseldorf-Derendorf umgestellt war, konnten wir mit 40 Senioren eine Werksbesichtigung vornehmen. Wir kamen diesmal sehr früh an und auch der kleine Stau vor dem Mörsenbroicher Ei konnte uns nicht aufhalten. Aber Herr Lothar Reimann von Mercedes war auf uns vorbereitet. Es wurde zunächst eine Aufteilung in zwei Gruppen vorgenommen und die erste Gruppe besuchte das Werk, während die zweite Gruppe zunächst eine Stadtrundfahrt und Stadtrundgang unter der Leitung des Stadtführers, Herrn Michael Vetten, durchführte.

In einer sehr informativen Videopräsentation bekam die erste Gruppe zu Beginn einen Überblick über die Geschichte des Mercedes-Werkes in Düsseldorf, in welchem seit über 50 Jahren Transporter hergestellt werden. Seit 1995 liegt hier mitten in Düsseldorf der Geburtsort für den Sprinter. Es ist das größte Transporterwerk der Daimler AG. Das gesamte Material zur Fertigung der Sprinter wird angeliefert: 280 Lastwagen liefern täglich 2.850 Tonnen Material an, im Werk gibt es keine Gießerei, sondern es ist ein reiner Montagestandort. 6.700 Mitarbeiter bauen etwa 150.000 Transporter im Jahr, ca. 740 pro Tag (im Dreischichtbetrieb). Auf einer Produktionsfläche von rund 175 000 m² befinden sich die Produktionsbereiche Rohbau, Lackierung und Montage.

Obwohl das Werk seit 2014 völlig papierlos arbeitet, sind trotzdem mehr als 1.700 verschiedene Varianten des Fahrzeugs möglich, allein über die Aufbauarten, Antriebskonzepte, Kabinengestaltung, Aufbaulängen, Tonnagen, Laderaumhöhen und Ausstattungsvarianten. Das maximale Ladevolumen liegt bei 17 m³, die Tonnage reicht bis 5,5 Tonnen. Damit der Mitarbeiter noch die Maschinen den Überblick verlieren, hat jedes Fahrzeug seinen eigenen Code. Hinzu kommen noch 409 Farbtöne, welche vom Hersteller den Kunden angeboten werden. Die Zeit vom Rohbau der Karosserie bis zur endgültigen Fertigstellung dauert ca. 3 Tage. Und trotzdem verlässt alle 2 Minuten ein Sprinter die letzte Kontrolle.

Nach diesen Informationen wurde unsere Gruppe mit Schutzbrillen und Head-Sets ausgerüstet. Die anschließende Besichtigung erfolgte zu Fuß, aber für Mitglieder eines Sportvereins sind auch Fußwege von 4 km kein Problem. Es ging los im Gebäude mit der Bezeichnung »Rohbau«. Von verschiedenen Seiten gelangen einzelne Blechteile zusammen. Und dann geht es wenige Sekunden später los: Große orangefarbene Roboterarme drehen sich, nähern sich den Blechteilen und dann zischt und kracht es, sprühen die Funken. (Dafür die Schutzbrillen). Es wird geschweißt, was das Zeug hält. Man sieht wenige Menschen, dafür aber die 550 Roboter bei der Arbeit. Und so langsam heben sich die Umrisse eines Transporters ab. Bis zu 7.500 einzelne Schweißpunkte sind insgesamt notwendig. Aber danach hebt sich Rohbau des Fahrzeuges ab, mit einer Präzision auf den Tausendstel eines Millimeters. Da der Platz des Werksgeländes begrenzt ist, erstreckt sich die Montage­linie auch über verschiedene Stockwerke. Aufzüge heben und senken die Karosserien. Wir sind fasziniert.

 

Die Hallen für die Vorbereitung der Karosserien für den Korrosionsschutz, die Hohlraumversiegelung und die verschiedenen Farbaufträge usw. konnten nicht besichtigt werden, da hier Reinluftverhältnisse herrschen und ganz besondere Kleidung notwendig ist. Mehr Personal ist in der anschließenden Montage notwendig. Der weitere Innenausbau, z.B. das gesamte Armaturenbrett sowie Zubehör werden hier wunschgemäß in die fertig lackierte Karosserie eingebaut. Man kann immer nur wieder über die Logistik staunen, wie zu jedem Fahrzeug die notwendigen und gewünschten Teile parallel angeliefert werden und für den Einbau bereitstehen. Besonders intensiv haben wir uns das Einsetzen der Scheiben angesehen. Ein Roboter saugt die Scheibe an und führt diese exakt an einem weiteren Roboter mit einer Spritzdüse für den Klebstoff vorbei. Danach wird die Scheibe fest mit der Karosserie verklebt.

In einer benachbarten Halle werden die Antriebselemente zusammengesetzt. Vorder- und Hinterachse, Motor, Gelenkwelle und Abgasanlage werden zusammengefügt. Schließlich treffen sich Antrieb und Karosserie zur sog. »Hochzeit«, d.h. der Verbindung der beiden Komponenten. Deutlich fällt hier auf, wie unterschiedlich die einzelnen Sprinter aufgebaut sind und auch ihre Länge variiert. Keiner ist wie der andere. Schließlich werden die Öle der einzelnen Getriebe und Diesel bzw. Benzin eingefüllt. Und dann der spannende Augenblick. Ein Mitarbeiter setzt sich in den Wagen und startet. Ein kurzer Ruck und der Motor läuft. Es folgt eine umfangreiche Reinigung, Endkontrolle, ein Test auf dem Rollenprüfstand bis am Ende im sog. Lichttunnel das Fahrzeug noch einmal genau unter die Lupe genommen wird. Fertig für den Kunden, denn jeder gefertigte Sprinter ist bereits verkauft.

Danach fuhren beide Gruppen zum gemeinsamen Mittagessen im Lokal »Füchschen«, bekannt durch ausgefallene und freche Werbeplakate. Anschließend wurde Gruppe 2 zum Mercedes-Werk gefahren und Gruppe 1 wurde zur Stadtrundfahrt mit dem Bus über die Rheinkniebrücke auf die westliche Rheinseite kutschiert, vorbei an den Stadtvillen am Kaiser-Wilhelm-Ring, zurück über die Oberkasseler Brücke und vorbei an der Tonhalle. Natürlich wurde die Königsallee (kurz Kö genannt) mehrfach gekreuzt, die evgl. Johanneskirche gestreift, ebenso die Schadow-Arkaden mit ihren luxuriösen Geschäften. Am Burgplatz stiegen wir aus und gingen ein Stück zu Fuß durch die Düsseldorfer Altstadt, vorbei am Schlossturm zu einer kleinen mit Platanen gesäumten Grünanlage. Hier steht das Denkmal für die »Düsseldorfer Radschläger«. Auf dem Rathausplatz mit dem barocken Reiterstandbild von Jan-Wellem werden gerade die Zelte vom »Chinafest« abgebaut. Vor dem bekanntesten Düsseldorfer Lokal, dem »Uerige« erfahren wir etwas zur Entstehung des Likörs mit dem Namen »Killepitsch«. Auf dem Weg zur St. Lambertuskirche mit dem verdrehten Turmdach überqueren wir die Düssel. Hier steht das sog. »Stadterhebungsmonument«, welches der Künstler Bert Gerresheim aus Bronze geschaffen hat. Aus vielen Einzelteilen setzt sich Bilderbogen der Düsseldorfer Stadtgeschichte zusammen. Im Zentrum ist die Besiegelung durch die Hände des Gründer­ehepaares Graf Adolf V. und Elisabeth von Geldern dargestellt.

Hier entstand auch das Bild der Gruppe 2. Nach Abholdung der Gruppe 1 vom Mercedes-Werk ging es mit vielen interessanten Eindrücken wieder zurück nach Essen.

 

Ernst-Albert Ratajczak