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Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung in Essen-Steele

|   Senioren

Wann: 10:44 Uhr

Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung in Essen Steele

am 25. April 2019

 

Bereits bei der Besichtigung von Schloss Borbeck im vergangenen Jahr und der Beschäftigung mit Leben und Wirken der Fürstäbtissin Franziska-Christine war der Wunsch laut geworden, auch einmal das von ihr gegründete Waisenhaus und die damit einhergehende Stiftung in Essen-Steele zu besichtigen. Am 25. April 2019 konnte dieser Wunsch für 30 Senioren in die Tat umgesetzt werden, denn dieser Termin lag nach dem zeitlichen Ende der Sanierung der Waisenhauskapelle.

Herr Voigt, ehemaliger pädagogischer Leiter in der Stiftung begrüßte uns ganz herzlich und führte uns in das Leben und Werk der Fürstäbtissin Franziska-Christine ein. Sie wurde am 16. Mail 1696 in Sulzbach/Oberpfalz geboren, kam aber bereits im Alter von fünf Jahren nach Thorn bei Roermund in den Niederlanden, um dort eine standesgemäße Erziehung zu erhalten. Bereits mit 21 Jahren wird sie 1717 zur Fürstäbtissin von Thorn gewählt. Nur neun Jahre später wird sie 1726 zur Fürstäbtissin von Essen gewählt.

In dieser damaligen Zeit wurden verwaisten Kindern keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Aber die Fürstäbtissin hatte ein Lebensmotto: »Zur höheren Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen«. Aus dieser christlichen Nächstenliebe heraus entstand die Idee, für elternlose Kinder ein Waisenhaus zu errichten. Vor den Toren der damals selbständigen Stadt Steele ließ sie ein Gebäude errichten, dessen Planung, Bau und Ausstattung sie selbst überwachte. Sie ließ sich von niemandem hineinreden, denn sie bezahlte alles aus aus ihrem Privatvermögen. Durch eine geschickte testamentarische Verfügung sicherte sie ihrer Stiftung eine dauerhafte Existenz. Es wurde keine geistliche Stiftung, sondern nach ihrem besonderen Wunsch eine weltliche Stiftung, welche »bis zum Ende der Welt« bestehen muss. Durch alle Wirren der Zeit hindurch hatte diese juristische Verfügung Bestand und auch die Säkularisation 1803 oder die Aufhebung des Stiftes Essen konnten daran nichts ändern, so dass bis heute die Existenz der Stiftung gewährleistet ist.

Im Januar 1764 wurde der Grundstein gelegt und am 4. Dezember 1769 zogen die ersten Kinder ins Waisenhaus ein. Die Stiftung bereitet sich also in diesem Jahr auf ihr 250. Jubiläum vor. Das Haus war eines der besteingerichteten Waisenhäuser zu seiner Zeit. Von Anfang an wurde den Kindern Schulunterricht erteilt und für eine Ausbildung gesorgt. Die Jungen kamen zu Handwerkern und die Mädchen wurden in Haus- und Handarbeit unterrichtet. Nach Verlassen des Hauses wurde ihnen eine stattliche Aussteuer mitgegeben. Die anfängliche Skepsis der Steeler Bürgerschaft gegenüber diesen Waisenkindern verschwand daher sehr schnell.

Inzwischen waren wir aus dem Foyer des Hauses hinausgetreten in den weitläufigen Innen hof des riesigen Komplexes, welches mit Altenheim, Pflegeheim, Seniorenwohnungen, Maximilian-Kolbe-Haus noch weitere Gebäude umfasst. Abgeschirmt vom Lärm der direkt vor dem Waisenhaus verlaufenden Steeler Straße umfing uns ein Ort der Ruhe und Geborgenheit. Zwei Gebäudeflügel des Waisenhauses sind durch eine überdachte Spielhalle verbunden. Zurück ins Gebäude führte uns der Weg nun in die 1770 errichtete die Residenzkapelle, welche zwischen den beiden Wohnflügeln des Gebäudekomplexes liegt. Markant ist von außen der Zwiebelturm und das über dem Portal angebrachte Wappen der Fürstäbtissin. Wir blickten auf die drei barocken Altäre und die renovierten Wände der Kapelle. An einigen Stellen hat man beim Abtragen der alten Farbschichten darunterliegende Bemalungen entdeckt, welche teilweise freigelegt wurden. Das Gemälde auf dem Hochaltar zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel.


Auffallend auf dem dunklen Steinboden des Mittelganges sind drei helle marmorne Grabplatten. Unter der Größeren befindet sich die Gruft der vorletzten Fürstäbtissin des Essener Stifts, nämlich Franziska Christine. Sie verstarb am 16. Juli 1776 und sie hatte verfügt, dass sie im Mittelpunkt des Hauses in der Kapelle beigesetzt werden möchte. Versetzt zum Ausgang hin wurde auch ihr Beichtvater, der Jesuitenpater Nikolaus Marner beigesetzt. Bemerkenswert ist, dass auch ihr Kammerdiener Ignatius Fortuna hier seine letzte Ruhestätte fand. Er war durch die Fürstäbtissin nach ihrem Tod finanziell abgesichert und verstarb 1789.

 

Franziska Christine weilte regelmäßig in Steele. Daher wurde der westliche Gebäudeflügel des Waisenhauses als Wohngebäude errichtet. Bis heute ist das Gebäude an der Front wie auch auf der Hofseite im Wesentlichen unverändert erhalten. Die Ausstattungen im Inneren stammen aus der barocken Zeit der Fürstäbtissin. Dazu gehören auch zahlreiche Gemälde mit Verwandten der Fürstäbtissin. Herausragend hier das Staatsportrait der Fürstäbtissin im fürstlichen Gewand. Das Gemälde wird auch »Mohrenbild« genannt, da rechts neben der Fürstäbtissin ihr farbiger Kammerdiener Ignatius Fortuna dargestellt ist.

Herr Voigt verstand es außerordentlich gut, uns die damaligen Zeit der Fürstäbtissin und die Probleme der Erziehung von Jugendlichen damals – aber auch heute darzustellen. Es entwickelte sich eine sehr rege Diskussion. Daher am Ende ein herzlicher Dank im Namen aller Teilnehmer durch Dieter Fassbender.

 

Ernst-Albert Ratajczak