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Vereinschronik - MTGestern


MTGestern Teil I: Die Anfänge 1881 bis 1906

Krumme Wege
Pointiert könnte gesagt werden, der Anstoß zur Gründung unserer MTG lag auf der Straße. Denn in der Tat spielten die hiesigen Straßenverhältnisse eine bedeutende Rolle im Gründungsprozess des Vereins.
1863 hatte die Turnbewegung nach dem Vorbild von "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn in Steele zur Gründung eines Turnvereins geführt. Nach dem Motto: "Heraus aus den engen Straßen und dumpfen Häusern, dort wird keiner zum lebensstarken Menschen", stand der Gemeinschaftsgeist und kein bloßes Leistungsziel an oberster Stelle. Jeder sollte sich nach seinem Geschmack und seiner körperlichen Veranlagung so betätigen, wie es ihm "Not tut".
Im Zuge der rasanten Industrieentwicklung schnellten die Mitgliederzahlen des Steeler Turnvereins in die Höhe. Von nah und fern strömten die Turnbegeisterten nach Steele, um im Saal des Vereinslokals von Olfen in Gemeinschaft "ihren Körper zu stählen". Für die Mitglieder aus Horst begann und endete der Sportabend mit einem Fußmarsch über holprige Wege. Bei schlechter Witterung sicherlich keine einladende Betätigung.

Gründungsversammlung
So kamen 1881 viele Turnfreunde, die ihren Wohnsitz in der märkischen Gemeinde Horst hatten, in der Gaststätte von Bernhard Hackmann zusammen, um einen eigenen Turnverein zu gründen, den "Turn-Verein der Märkischen Gemeinden zu Horst bei Steele 1881". Ein genaues Gründungsdatum ist nicht überliefert, wohl aber, dass sich 24 "von einer ehrbaren Bürgergesinnung erfüllte" Männer zusammenfanden, um offiziell die Gründung bei den staatlichen Behörden zu beantragen.
Den Vorsitz des neuen Vereins übernahm "Initiator" Bernhard Hackmann, genannt "Rustikus", 2. Vorsitzender wurde Traugott Klotz, 1. Turnwart H. Oberwien, 2. Turnwart W. Stumpf und Wilhelm Braukämper, Schriftführer Ossendorf und Kassenwart Heinrich Menenkamp.
Sport in einer Gaststätte mag aus heutiger Sicht überraschen, ist aus der damaligen Zeit aber nur folgerichtig. Es gab keine Schulturnhallen oder öffentliche Räume, die man hätte nutzen können. Hochzeiten, Familienfeste oder Jubiläen wurden in Gaststätten gefeiert, die über entsprechende Tanzsäle verfügten - große Räumlichkeiten, die unter der Woche nur unzureichend ausgelastet waren. Von daher ergänzten sich bei Bernhard Hackmann Turnbegeisterung und bürgerlicher Geschäftssinn auf das Trefflichste.

Name als Programm
Auch die Namensgebung des Vereins und die Orientierung auf die "westfälischen" märkischen Gemeinden hatten einen realen Hintergrund. Man verstand sich als Ergänzung zum "rheinischen" Steeler Turnverein und wollte nicht in dessen Revieren Mitglieder abwerben. Man trainierte mittwochs und samstags im Vereinslokal und bereits 1882 wurde das erste Turnfest in Linden (heute Bochum-Linden) besucht. In kurzer Zeit zählte der Verein 60 Mitglieder. Sportlich standen zunächst die Aktivitäten im Rahmen des Deutschen Turnerbundes und vor allem die Wettkämpfe mit den anderen Vereinen der Grafschaft Mark im Vordergrund. 1883 errang Wilhelm Braukämper beim Turnfest in Hattingen am Reck den ersten Sieg der Vereinsgeschichte. Weitere Siege am Reck, im Springen und Stemmen sowie beim Ringen schlossen sich in dichter Folge an. Alle Medaillen und Auszeichnungen wurden im Vereinslokal an einen Preisständer geheftet.

Schicksalsschläge:
Zwei Ereignisse werfen ihre Schatten auf die frühe Erfolgsgeschichte der MTG.
Ende der 80er Jahre starb Bernhard Hackmann, der 1. Vorsitzende, überraschend an einem Erstickungsanfall. Verschiedene Turner bemühten sich daraufhin, den Verein zu leiten, doch erst Anfang 1890, mit der Wahl von Gustav Großjung zum 1. Vorsitzenden, einem begeisterten Turner, nimmt die Vereinsentwicklung einen neuen Aufschwung.
Auch der 2. Schicksalsschlag, der Brand des Vereinssaales im Jahre 1898, konnte diese Entwicklung nicht stoppen. Die ersten Vereinsbücher, das Gründungsprotokoll und die Vereinsfahne fielen den Flammen zum Opfer.

Bürgersolidarität
Doch welch hohes Ansehen der Verein in Horst genoss, das lässt sich aus der Solidarität der Bevölkerung ersehen. Eine Spendenaktion bei der Bürgerschaft und die finanzielle Unterstützung von Geschäftsleuten halfen in der Not. Als erstes und wichtigstes wurde für 350 Goldmark eine neue Vereinsfahne angeschafft. Ein deutliches Zeichen für die Gesinnung jener frühen Jahre!
Schon bald konnte der Turnbetrieb im Festsaal der Wirtschaft von Wüster aufgenommen werden. Bei den Gaufesten des Mittel-Ruhr-Gaues des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes demonstrierte die MTG immer wieder eindrucksvoll ihren Leistungsstand und wurde 1897 selbst mit der Durchführung der Veranstaltung betraut. Es war die erste Großveranstaltung in Eigenregie - sie wurde ein großer Erfolg.

MTGestern Teil II: Schwere Zeiten bis zum Goldenen Jubiläum 1931

Höhepunkt zum 25. Stiftungsfest
Der zweite Teil unserer Rundschau durch die Vereinsgeschichte umspannt eine Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche. Das betrifft zum einen die große Politik und die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts - der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Zum anderen aber auch die stürmische Entwicklung von Bevölkerung, Handel und Industrie zusammen mit den Gegenbewegungen der Jugend, von Naturfreunden und neuen Lebensgemeinschaften. Mit diesem Zug aus der Enge der Stadt hinaus in die freie Natur wuchs auch das Bedürfnis nach sportlicher Betätigung im Kreis von Freunden und Bekannten.
So stand auch unsere MTG im Jahre 1906 in vollster Blüte und das Jubelfest zum 25-jährigen Vereinsjubiläum hinterließ bei den Bürgern der Region einen bleibenden Eindruck. Dabei kam insbesondere die enge Verbundenheit zu dem befreundeten Steeler Turnverein von 1863 erneut zum Tragen.
Auch die sportlichen Erfolge bei den Turnfesten der Region konnten sich sehen lassen. Dabei standen zunächst die Aktivitäten im Rahmen des Deutschen Turnerbundes und vor allem die Wettkämpfe mit den anderen Vereinen der Grafschaft Mark im Vordergrund. Viele Siege wurden am Reck, im Springen, im Stemmen, am Schwingel (Pferd) und im Ringen erzielt. Regelmäßig nahmen die Sportler von der Schottländer Straße - heute Dahlhauser Straße - auch an den Schwimmwettkämpfen des Schwimmvereins Horst 1919 teil.
Dank des unermüdlichen Einsatzes des Vorsitzenden Gustav Großjung wuchs die Mitgliederzahl deutlich und der Verein war sich eines starken Rückhaltes in der Bevölkerung sicher. Als Gustav Großjung 1910 sein Amt niederlegte wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Leider verstarb er schon ein Jahr später..


Sachgeschenke statt Medaillen Anreiz für den Sport?
Der rasche Aufstieg, der sich bis zur Jahrhundertwende sowohl in sportlichen Erfolgen als auch in einem Anstieg der Mitgliederzahlen niederschlug, legte im neuen Jahrhundert eine Verschnaufpause ein. Dabei spielten einerseits die Veränderungen innerhalb der Bevölkerung wie auch die aus der Gegenwart bekannten Anreize für den Sport eine Rolle.
Zum einen hatte die Expansion des Stahlwerks Neuschottland einen Schub von Neubürgern an den Verein gebunden, zum anderen hatten sich die überregionalen Sportverbände noch nicht so fest institutionalisiert wie heute. Diese Organisationen hatten durchaus unterschiedliche Zielsetzungen.
Der traditionelle Deutsche Turnerbund hatte sich ganz dem Gemeinschaftsgedanken und der damit verbundenen Ideale verschrieben. Manche Vereine hielten es da lieber mit der Freien Deutschen Turnerschaft. Dort traten an die Stelle von Medaillen oder Eichenkränzen durchaus wertvolle Sachgegenstände. Vor allem für die starke Fraktion der "Neubürger" in der MTG war der Reiz so groß, dass sie darauf drängten, aus dem Rheinisch-Westfälischen Turnerbund auszutreten. Erst ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg erwies sich dieser Austritt dann als Episode und wurde am 6. Juli 1913 auf einstimmigen Beschluss der Mitglieder zurückgenommen.

Schatten des Krieges
Jäh wurde das Vereinsleben durch den Kriegsausbruch am 1. August 1914 zum Stocken gebracht. Bis auf neun Turner wurden sämtliche Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen, von denen neun nicht wieder aus dem Krieg zurückkehrten.
In dieser Zeit war es vor allem der spätere 1. Vorsitzende Johann Kleifges, der sich der Förderung der Jugend annahm und selbst eine Schülerriege betreute. Er war es auch, der zu den Turnbrüdern im Feld Kontakt hielt. Die Solidarität der MTG galt auch allen Kriegsversehrten und Hinterbliebenen im heimischen Amtsbezirk Königssteele. Im Zuge der Neuordnung der preußischen Verwaltungsbezirke fielen 1919 die vier zum Amt Hattingen, also zu Westfalen, gehörenden Gemeinden - Horst, Eiberg, Freisenbruch und Königssteele - an das zum Rheinland gehörende Steele.
In den schweren Jahren der Kriegs- und Nachkriegszeit gelang es Heinrich Großjung, der den Vereinsvorsitz von Kaspar Michelbach übernommen hatte, die Turngemeinschaft zusammen zu halten. Aus beruflichen Gründen übergab er den Vorsitz 1920 an Johann Kleifges, der die MTG, mit kurzen Unterbrechungen, fast zwanzig Jahre auf Kurs hielt.

Aufschwung durch die Jugend
Eine Bestandserhebung aus dem Jahre 1923 ergab einen Mitgliederstand von 142, wobei die unter 17jährigen eine deutliche Mehrheit bildeten. Paradegruppe des Vereins war die Herrenriege, die Anton Schröer nach dem Kriege neu aufgebaut hatte.
Die jährlichen Wettkämpfe im Jugend- und Altersturnen führten nach Wanne, Herne, Bochum und immer wieder Hattingen. Die MTG stellte viele Sieger und ward allerorten gern gesehen. 1926 holte sich die MTG beim Werbeschwimmen des Schwimmvereins Horst 1919 den Pokal in der 4x50 Meter Staffel. Auch viele Einzeltitel konnten die Turner von der Dahlhauser Straße für sich verbuchen.
Nach Anfängen im Faust- und Schleuderball, die in die Zeit vor dem Weltkrieg zurückreichen, wurde 1926 eine Handballabteilung gegründet. Bis zu drei Mannschaften nahmen am Spielbetrieb in der Region teil. Als besonderes Ereignis verbuchen die Chroniken der MTG den Besuch von 28 Aktiven beim Deutschen Turnfest 1928 in Köln.
1929 wurde Steele und damit unsere MTG in die Großstadt Essen eingemeindet. Dabei ist es, im Spannungsfeld zwischen Rheinland und Westfalen, bis in die Gegenwart geblieben.

MTGestern Teil III: Goldenes Jubiläum und nichts als Asche

Jubiläum im Blick
Schon im Vorfeld des 50. Vereinsjubiläums lassen sich im institutionellen Gefüge der MTG Veränderungen ablesen, die in naher und ferner Zukunft noch große Wirkungen zeigen sollten.
Da ist zum einen - und von grundlegender Bedeutung - die formelle Öffnung des Sportbetriebes für das weibliche Geschlecht, zum anderen aber auch die Gründung der Leichtathletik-Abteilung. Die Gründung einer Fußball-Abteilung blieb im Jahr 1930 ein Intermezzo, da sich die Kicker bereits nach einer Saison als eigenständiger Verein unter dem Namen 1. FC Eiberg konstituierten. Nicht ganz ohne Bedeutung war schließlich, dass ein 19-jähriger Jungspund in den erlauchten Vorstandskreis des Vereins einrückte und die Schriftführung übernahm, sein Name: Fritz Bender!

Ein Sportplatz wird erstampft
Für das Jubeljahr war schon vorab die Verknüpfung mit dem XI. Gauturnfest geplant. Demnach mussten aber auch die räumlichen Gegebenheiten für einen Leichtathletikwettkampf inklusive Laufwettbewerben gegeben sein. So nahmen die Turnbrüder Hans Kruse, Josef Kleifges, Artur Hierling (genannt Borchmeyer), Heinz Lömker und Fritz Bender die Dinge selbst in die Hand und planierten rund um den Fußballplatz an der Ruhrau eine Aschenbahn. Öffentliche Hilfe gab es von der Stadt Essen in Form der Bereitstellung eines LKW zum Aschentransport. Zum Sommer war das HANDwerk vollendet, und die großen Dinge konnten ihren Lauf nehmen.

Goldener Himmelssturm
Im Juni 1931 feierte die MTG ihr Goldenes Jubiläum auf dem Sportplatz Ruhrau und im Festzelt auf dem Märkischen Platz. Mit einer Kranzniederlegung gedachte man der verstorbenen Vereinsmitglieder. Die Feierlichkeiten waren neben dem Gauturnfest auch mit der Austragung der Volksturnmeisterschaften des Emscher-Ruhrgau Kreises 8a der Deutschen Turnerschaft verbunden. Zum Festprogramm vom 13. bis 15. Juni gehörte ein bunter Abend im Festzelt sowie Vier-, Fünf-, Sieben-, Neun- und Zwölfkämpfe der Turner und Leichtathleten. Zwölf Mannschaften traten in Blitzturnieren im Fußball und Handball gegeneinander an. Musikalisch begleitet wurden die Festivitäten von verschiedenen Chören und Männer-Gesang-Vereinen sowie der Kapelle der freiwilligen Steeler Feuerwehr.
Nicht nur den Zeitgenossen sollte ein Ereignis in besonderer Erinnerung bleiben. Ein Ereignis, das bei der 100-Jahr-Feier wieder "aufgelegt” wurde. Just am Vorabend des Festwochenendes fegte ein gewaltiger Sturm das Festzelt weg. Johannes Kleifges und Anton Schröer gelang es in wenigen Stunden, ein Ausgleichquartier zu finden, und so fand der festliche Abend im Saal von "Haus Wittler" statt, heute Bochumer Landstraße gegenüber der Lindenapotheke.
Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurden die Sportwettkämpfe und Feierlichkeiten angenommen und brachten dem Verein hohes Ansehen und den Zulauf neuer Mitglieder.

Aufbau vor der Katastrophe
1934 übernahm Fritz Bender von Matthias Kleifges das Amt des Leichtathletikwarts und baute verschiedene Kinder- und Jugendgruppen auf. Zum Abschluss jeden Trainings liefen Staffeln gegeneinander, die sich aus verschiedenen Wohngebieten zusammensetzten und deshalb auch "Straßenstaffeln" hießen. Das spornte die Jugendlichen immer besonders an. 1935 kam unser Verein zu seinem heutige Namen: aus dem "Turnverein der Märkischen Gemeinden Horst-Ruhr" wurde die "Märkische Turngemeinde Horst". Inzwischen hatten sich die Leichtathleten zu einer der stärksten Abteilungen weit und breit entwickelt. Mit einer Bestzeit von 22,9 auf 200m schrieb sich mit Hans Berger erstmals ein Vereinsmitglied in die Deutsche Bestenliste ein. Luise und Elfriede Thom setzten bei den Niederrheinmeisterschaften von 1941 Meilensteine, die im Verein bis heute beispiellos sind - Luise mit 13,2 sec im 100m-Lauf und Elfriede mit 27,9 sec im 200m-Lauf.
Eine Reihe weiterer beeindruckender Ergebnisse folgte, denn bis zum Ausbruch des Weltkriegs eilte die MTG von Erfolg zu Erfolg. Ein Aufschwung der jäh unterbrochen wurde. Immer mehr Aktive wurden zum Wehrdienst eingezogen wurden. Zwar wurde der Sportbetrieb zunächst weiter aufrechterhalten, doch spätestens ab 1942 rissen alle Kontakte. "Eine schwere Zeit für den Bestand unseres Vereins brach heran. Durch den unseligen Krieg wurde alles zerstört, was in mühevoller, jahrelanger Aufbauarbeit errichtet worden war", brachte der legendäre Essener Langstreckler August Blumensaat die Dinge auf den Punkt.
Ein Zeichen der Zeit war, dass auf dem eigens für den Sport errichteten Platz an der Ruhrau nun Gartengrundstücke der elementaren Nahrungsbeschaffung dienten. Obwohl materiell in jeder Form am Ende lebte die MTG Sportgemeinschaft dennoch in den Gedanken der überlebenden Vereinsmitglieder weiter.

Mit der Jugend nach vorn

Aufbauarbeit
Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, kam der Trainingsbetrieb der MTG mitten in den Trümmern des II. Weltkriegs wieder in Gang. So erinnert sich Karl-Heinz Maikämper noch genau an den Tag, als er - 12 Jahre jung - im Spätsommer 45 in die Turnhalle am Wisthoffspark kam und dort bereits eine Gruppe von etwa 20 Personen unter der Aufsicht von Johann Kleifges, Anton Tewes und Herbert Fehlings bei Turnübungen vorfand.
Der Sport hatte in Zeiten bitterster Not eine ganz andere Bindungswirkung und Formkraft für das tägliche Leben. Die Konkurrenz durch Fernsehen, Auto und Reisen lag noch in weiter Ferne. Trotz schmaler Kost, schlichtester Ausstattung und begrenzter Räumlichkeiten wurde mit großem Elan die Kunst der Improvisation geübt und gemeinschaftlich gehandelt.
Bereits im Herbst 1945 startete wieder die erste Straßenstaffel "Quer durch Steele". 1946, gerade aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen, stürzte sich Fritz Bender sofort in den Wiederaufbau seiner geliebten Leichtathletik. Für ihn war es wichtig, Jugendliche von der Straße zu holen, ihnen eine Freizeitbetätigung zu geben. So konnten Jugendliche, die sich in Steele aufhielten, nie sicher sein, vom "Chef der Aschenbahn" zum Training eingeladen zu werden.
In Steele gab es drei Turnhallen: in der Mädchenrealschule, am Wisthoffspark sowie die Halle des TV Steele 1863 e.V., und für die Leichtathleten war die Kampfbahn Ruhrau Dreh- und Angelpunkt. Dort wurde bereits 1947 wieder ein Sportfest mit westdeutscher Beteiligung durchgeführt.
Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit verschob sich allmählich vom Turnen zur Leichtathletik. Treibende Kraft war hier Fritz Bender. 1948 übernahm er das Amt des Ersten Vorsitzenden von Johann Kleifges, der als 70-jähriger endlich sicher sein konnte, dass sein Lebenswerk in guten Händen lag.

Neuer Schwung
In der Nachkriegszeit stand nun der Trainingsbetrieb auf zwei Säulen, dem Turnen und der Leichathletik. Die Angebote der MTG fanden schnell das Interesse der Jugend, sodass sich bald wieder ein reger Vereinsbetrieb entwickelte.
Schon 1950 triumphierte die MTG wieder rund um das Dortmunder Borsig-Stadion. Sowohl die Frauen als auch die Männer sicherten sich bei den Straßenstaffeln "Quer durch Dortmund" den ersten Platz. Die erste Volkstanzgruppe in der MTG wurde von Herbert Fehlings und Marlene Müller bereits 1948 gegründet! Schon drei Jahre später ertanzte sich diese Gruppe zu Floß auf dem Baldeneysee die Kreismeisterschaft.
Über die Grenzen der Stadt Essen hinaus verschaffte sich die MTG Ansehen und Respekt, und die in der Leichtathletik erzielten Bestmarken, haben nicht nur in der Vereinsgeschichte Bestand.

Immer auf Achse
Die erste größere Veranstaltung, die von den Turnern nach dem Krieg besucht wurde, war das Rheinische Turnfest in Ingelheim. Zur Übernachtung wurden sechs 15-Mann-Zelte bei der Stadt Essen geliehen. Wie bei Wettkämpfen der damaligen Zeit üblich, sorgte der Veranstalter für die Verpflegung aus der Gulaschkanone.
Auch auf Skiern war die MTG damals schon aktiv. Leukerbad hieß damals Meinerzhagen, wohin vierzig MTG-ler zum Skifahren aufbrachen. Die Skier gab es als Leihgabe vom Essener Sportamt.
Die Leichtathleten waren ständig unterwegs, nahmen an vielen Wettkämpfen teil, und nach der Schule ging es oftmals direkt zum Sport in die Ruhrau.

Leichtathletikschmiede MTG
Städtewettkämpfe, Geländeläufe und Waldlaufmeisterschaften bestimmten den Sportkalender. Dem Informationsaustausch diente ein rot lackierter dreieckiger Kasten mit der Aufschrift MTG 1881. Das erste Exemplar hing neben dem Union Filmtheater in der Bochumer Straße.
Stationen in diesen Jahren waren das Sommerburgfest der Stadt Essen, der Herbstwaldlauf in Dahlhausen, die Abendwettkämpfe im Uhlenkrug, der Osterlauf in Paderborn, das Kreisturnfest in Karnap, das Stadtwaldfest, der Borbecker Schlossparklauf, der Herbstlauf in Düsseldorf und die Staffeln "Quer durch Dahlhausen", "Quer durch Witten-Annen" oder "Quer durch Dortmund". Höhepunkt eines jeden Bergfestes war der Turnerische Siebenkampf. Dabei wurde Runde für Runde gegeneinander angetreten, wobei in jeder Runde einige Teilnehmer ausschieden.
In Essen stellte die MTG viele Kreismeister bei den Männern und Frauen, und in den Jugend- und Schülerklassen häuften sich die Erfolge. Mit 300 Teilnehmern wurde 1951 auf dem Sportplatz Ruhrau ein Turn- und Sportwerbefest veranstaltet. Paradedisziplinen auf der Schillerwiese am Stadtwaldplatz waren die 800m, 1500m und 3 mal 1000m.

Schülergipfel
1951 errangen die Schüler beim Sommerburgfest den Wanderpreis der Stadt Essen und verteidigten ihn auch im Folgejahr.
Zu einem Höhepunkt der Vereinsgeschichte wurde das Jahr 1952. Die Jugendmannschaften B und A erzielten bei den Deutschen Meisterschaften jeweils den 1. Platz als beste Deutsche Schülermannschaften, und das in Konkurrenz mit mehr als 300 teilnehmenden Vereinen.
Den Meisterwimpel des Deutschen Leichtathletikverbandes erhielten:
Schüler A: Siegfried Blumensaat, Helmut Ließener, Dieter Zimmermann, Hans Croes, Heinz Haake, Josef Bade, Hubert Markowski, Peter Stein, Dieter Steeger, Willi Wrobel.
Schüler B: Manfred Boumann, Siegfried Geller, Erich Walbrodt, Manfred Großhans, Wolfgang Fetthauer, Gerd Übbing, Horst Brodhage.
1953 errang mit Günter Leifhelm erstmals ein MTG-ler für seine läuferischen Leistungen die höchste Auszeichnung des DLV, die Bestennadel. Im Jahr darauf erhielt Manfred Boumann für seinen Erfolg im Kugelstoßen (13,40m) ebenfalls die DLV-Bestennadel.

Sozial engagiert
Oft übersehen werden die sozialen Leistungen, die von Sportvereinen in beiden Weltkriegen übernommen wurden. Sei es durch Sammlungen für Not leidende Sportkameraden oder zur Integration Kriegsversehrter oder Behinderter. In der MTG verankert wurden Behinderte oder Kriegsversehrte, trotz öffentlicher Stigmatisierung, wöchentlich zum Schwimmen ins Stadtbad oder ins Friedrichsbad in Altenessen gefahren. Mit einer Sackkarre und auf einem alten Lloyd Transporter wurden die Behinderten bis an den Beckenrand gefahren. Dort plumpsten sie dann fröhlich ins Wasser.
Zum Abschluss der Saison 1954 organisierte Fritz Bender mit drei Jugendlichen eine Fahrt nach Bleicherode/Mitteldeutschland, um den Kontakt zu den Sportlern im Osten nicht abreißen zu lassen.

Sport und mehr
Bei Feierlichkeiten zeigte sich die MTG schon damals immer in Hochform. So war der Steeler Stadtgarten zur Jubiläumsfeier 1956 völlig überfüllt. Zum Abendsportfest auf dem Sportplatz Ruhrau versammelten sich viele hundert Menschen, um die Wettkämpfer anzufeuern.
Gründe zum Feiern fand man der MTG immer. Und zu den Karnevalsfeiern bei Kattenbracker, im Grauen Esel oder bei Brackmann trafen sich alle Vereinsmitglieder.